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Symbolanalyse

 

Nach Haarmann[1] ist die Entwicklung der Schrift im weitesten Sinne des Begriffes, ein revolutionärer Moment in der Menschheitsgeschichte. Die Schrift oder auch Bilddarstellung ermöglicht es, Wissen zu überliefern. Dies bedeutet für uns selbst einen Vorteil, da wir etwas mit Bild-/Zeichen aufzeichnen können und es so erst einmal vor dem eigenen Vergessen retten können. Weiterhin besteht damit die Möglichkeit, das Aufgezeichnete einem anderen oder größeren Personenkreis mitzuteilen und über Generationen zu überliefern. Bedenkt man, dass beispielsweise Mythen vor der schriftlichen Niederlegung mündlich weitergegeben wurden, vom Meister zum Schüler, von Generation zu Generation, werden die Schwächen dieses Systems deutlich:

a)      Die Gefahr des Informationsverlustes durch Vergessen oder unzureichende Überlieferung.

b)      Veränderung von Inhalten und Bezügen durch sprachliche Umgestaltung des überlieferten Wortlauts.   

c)      Kaum Rekonstruktionsmöglichkeit der historischen Entwicklung und Veränderung von überlieferten Inhalten.

Ist das geschriebene Zeichen an das Medium (Papier, Stein, usw.) gebunden, liegt bei der mündlichen Weitergabe eine Bindung an die Person, welche das Wissen hat, vor. Aus der „esoterischen“ mündlichen Überlieferung wurde im Lauf der Zeit demnach eine „exoterische“ Verbreitung des Wissens.

Finden sich bei der Analyse von Schriftzeichen als Darstellung des Gesprochenen nun zwischenzeitlich hinreichend wissenschaftliche Methoden[2]. Bei der Symbolanalyse, als Bild- und/oder Zeicheninterpretation, sieht dies derzeit noch etwas anders aus[3]. Im Bereich der Kunst- und Kulturwissenschaften, aber auch der Theologie und Psychologie fanden die Symbole und deren Interpretation, fast wie selbstverständlich, Verwendung. Interpretationen wurden lange Zeit vorgenommen, ohne jedoch konkret die Symbol-Be-/deutung zu hinterfragen. Es wurde u. a. ein kulturhistorischer, aber auch ein soziologischer Zusammenhang mit der Entstehung der Bedeutungen angenommen – als Arbeitshypothesen.

Wie es bereits bei Artemidorus heißt: „Einige Träume sind theorematisch[4], andere allegorisch. Diejenigen, deren Erfüllung dem Gesicht gleicht, das sie bieten, sind theorematisch. …Allegorische Träume dagegen weisen durch etwas auf etwas anderes hin. In diesen Träumen deutet die Seele nach bestimmten Regeln etwas an, wie in einem Rätsel...“[5].

Die Herausforderung liegt jedoch darin, zu erkennen, wann ein (Traum-)Symbol theorematisch oder allegorisch ist, wann ihm welcher Bedeutungsgehalt zugrunde gelegt wird oder auch werden kann. Diese sogenannten Konnotationen sind also Sinn- und Bedeutungsinhalte, die einem Symbol durch die individuelle Vorstellung „über die Grundbedeutung hinaus“ mitgegeben werden können. Wollen wir also den „Normbereich“ eines Symbols und auch die individuelle Deutungskomponente erfassen, so bedarf es der Symbolanalyse. Im Bereich Symbolforschung ist hierzu ein entsprechendes Tool zu finden.

In Anlehnung an Müller-Doohm[6] ist nachfolgend ein Analysemodell dargestellt, welches für die Auseinandersetzung mit dem Symbolischen dienen soll:

1.      Bild-Ersteindrucksanalyse

2.      Hypothetische Typenbildung

3.      Typenbildung

4.      Einzelfallanalyse

Zunächst steht also die Erhebung von Daten hinsichtlich der Primärbotschaft, der dargestellten Objekte und Personen, markanten Stilmomenten und der Art der Inszenierung im Vordergrund.

Eine damit verbundene Kurzfrage könnte lauten: „Wie wirkt das Symbol auf Person X?“

Aufgrund der erhobenen und ausgewerteten Daten können folgend unter 2. also vorläufige hypothetische Typenbildungen vorgenommen werden.  Welche Symbole stellen gleiche Inhalte dar („Familienähnlichkeit“ der Inhalte), welche gleichartigen Symbole („Familienähnlichkeit“ der Symbole[7]) stellen welche Inhalte dar?

Aus diesen vorläufigen Gruppen können dann entsprechend Schritt 3 zur konkreten Typenbildung herangezogen werden. D.h., dass diejenigen Symbole, die die größte Anzahl der Nennungen eines konkreten Merkmals (Bedeutungsgehalt) aufweisen, quasi als „Prototyp“ der Darstellung für einen bestimmten Inhalt gelten können und gleichermaßen aber eine Variationsbreite der möglichen Inhalte aufweisen. So ist es also denkbar, dass zwei Symbole einen gleichen Inhalt verkörpern können, bspw. „Freundschaft“, aber beide Symbole hinsichtlich ihrer Bedeutungsvielfalt anders gewichtet werden.

 

Bedeutung

Symbol A

Symbol B

Freundschaft

100 Nennungen

50 Nennungen

Zuneigung

20 Nennungen

20 Nennungen

Liebe

60 Nennungen

110 Nennungen

  

Symbol A wäre also als Prototyp für die Darstellung von „Freundschaft“ zu werten, wohingegen Symbol B als Prototyp für „Liebe“ zu verstehen ist. Beiden Symbolen werden in den Nebenbedeutungen jedoch die gleichen Merkmale des jeweils anderen zugesprochen. Es besteht also die Möglichkeit eines „Rankings“, sowohl auf der horizontalen Ebene (=für welche Bedeutung welches Symbol) und der vertikalen Ebene (= Reihenfolge der Bedeutungsbewertungen).

Sind derart Normwerte ermittelt, sowohl für die Bedeutungszuschreibungen, als auch die Symboldarstellungen, können Einzelfallanalysen (unter 4.), entsprechend des nachfolgenden Schemas durchgeführt werden. Hier wird deutlich, dass die individuelle Wahrnehmung, im Gegensatz zur abstrakt-generellen Datenerhebung, im Vordergrund steht:

Was wird wahrgenommen?

  1. Bildelemente (Ganzes, Detail, Relationen)
  2. Räumliche Komponenten im Bild/Symbol (Vorder-/Hintergrund, Seitenausrichtung, Ebenen, Perspektiven, Figuren, Flächen, usw.)
  3. Ästhetische Aspekte (Farbgebung, Farbwahrnehmung, Helligkeit, Kontrast, Muster stilistische Ausführung, u. a.)
  4. Emotionaler Eindruck (Stimmung beim Betrachten, Festlegung auf inhaltliche Glaubenssätze)
  5. Verschiebung (Erweiterungen, Verknüpfung und Vertiefung des Inhaltes des Symbolbildes mit weiteren symbolträchtigen Inhalten)

Ausgehend von der Annahme, dass die Interpretation von Symbolen ein Ausdruck individueller, aber auch kultureller Sinnmuster ist, erfolgt die Analyse nach dem o.g. Schema notwendigerweise theoriegeleitet. Gleichartige Verfahren finden sich im Bereich der Psychotherapie in den so genannten „Projektiven Verfahren“, deren Analyse- und Bewertungschemata ähnlich sind.

 



[1] Geschichte der Schrift, C. H. Beck, 2004, 2. Auflage

[2] Wobei es eben auch wieder nicht *die* Methode gibt, sondern hier auch unterschiedliche „Schulrichtungen“ vertreten sind

[3] An dieser Stelle liegt die theoretische Grundannahme mehr im Bereich der kultursoziologisch-hermeneutischen Symbolinterpretation und weniger in der phänomenologischen  oder strukturalen Bildhermeneutik, der Tiefenhermeneutik, der Semiotik oder Ikonik.

[4] Theorem = Lehrsatz, Regel, das „Angeschaute“ = griech. theorein = anschauen, überlegen, untersuchen

[5] Übersetzung zitiert nach Luck „Magie und andere Geheimlehren in der Antike“. In der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Traumdeutung stolpert man an dieser Stelle bisweilen wieder auf den zwar definierbaren, aber nicht messbaren „Seelenbegriff“. Freud setzte stattdessen das „Unbewusste“, unternahm mit der Begriffsverschiebung jedoch auch keine Klärung im (natur-/)wissenschaftlichen Sinne.

[6] Bildinterpretation als struktural-hermeneutische Symbolanalyse, in: Hitzler, Ronald/Honer, Anne (Hrsg): Sozialwissenschaftliche Hermeneutik, UTB, 1997

[7] Hier wird in der Regel eine übergeordnete Kategoriebildung notwendig sein. Exempl. Baumsymbole, Tiersymbole o.ä.



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