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Symboltheorie



„Symbole und Philosophie“

Die ersten Aufzeichnungen über Symbole und ihre Bedeutung in Träumen finden wir im Papyrus
Chester Beattie (Ägypten, ca. 1800 v. d. Z).

Ab dem 7. Jh. v. Chr. entwickelt die philosophische Schule der „Orphiker“ zahlreiche Ideen,
durch welche späterhin die Werke von PINDAR, SOPHOKLES, AISCHYLOS UND PLATON beeinflusst
wurden. PLATON beschäftigte sich in verschiedenen Werken mit den Träumen, so unter anderem
in Phaidon und im Staat. In letzterem findet sich auch erstmals die Hinführung zu „gelenkten
Träumen“ Die Liste der klassische Philosophen und Heilkundigen ist lang, die sich mit dem
Traum und seiner Symbolik resp. der Deutung beschäftigten. Die Arbeit mit Traum-/Symbolen war
mehr eine divinatorische und diente somit der Interpretation des „göttlichen Willens“, war
gleichsam eine von den Göttern geschickte Botschaft, um das eigene Schicksal erfassen und
erfüllen zu können.

Durch SAMMONICUS (Res Reconditae) und ARISTOTELES, PHYTAGORAS und viele weitere, hielt die
Beschäftigung mit dem Thema „Traum“ Einzug in die jeweiligen philosophischen Schulrichtungen.
Im 2. Jh. n. Chr. schrieb ARTEMIDORS das Werk Oneirokritika - Die Kunst Träume zu deuten
- nach einer emsigen Sammlung unzähliger Traumbücher, wo wir in Buch 1, Kap. 2 finden „Einige
Träume sind theorematisch , andere allegorisch. Diejenigen, deren Erfüllung dem Gesicht
gleicht, das sie bieten, sind theorematisch. …Allegorische Träume dagegen weisen durch etwas
auf etwas anderes hin. In diesen Träumen deutet die Seele nach bestimmten Regeln etwas an,
wie in einem Rätsel...“ . Nach der Vorstellung ARISTOTELES hatte sich jedoch die Auffassung
gefestigt, dass Träume eine Nebenwirkung der verarbeiteten Speisen seien.

„Symbole als Zeichen der Götter“

Die Symbolik wurde in der Antike vornehmlich als „Zeichen der Götter“ betrachtet, sah man
darin doch eben die Emanation einer übernatürlichen Wesenheit, die entsprechend zu erfassen
bzw. zu deuten sei. Dies reduzierte sich in der westlichen Welt nach der Spätantike mehr auf
die bildhafte Darstellung als schmückendes Beiwerk. Dies mag dazu geführt haben, dass die
ursprünglich divinatorische Bedeutung der Symbole (wie sie beispielsweise in der Traumdeutung
großteils ja erfolgte) nunmehr in den Bereich des „Okkulten“ gedrängt und mystifiziert wurde.
Unter dem Einfluss zunehmender Christianisierung unterlagen die alten Mythen, wie auch die
Fortführungen der jeweiligen philosophischen Schulen der Antike und Spätantike eine Wandlung
unter mehr „ekklesialen Vorzeichen “. AEROPAG verfasste Ende des 5. nachchristlichen
Jahrhunderts das Werk „Über die beiden Hierarchien“. Hierin finden wir, so schreibt
HELFERICH, eine Betrachtung der „sichtbaren Welt als Symbol, als Transparenz als
‚Durchscheinendes’ eines Anderen...“.

Verschiedene Mythengestalten und ihre Symbole wurden in den Bereich des Dunklen, Dämonischen
gerückt. In diese Zeit fällt auch die Entstehung einer ideologisch-philosophischen
„Subkultur“, die sich von den christlichen Einflüssen - auch bedingt durch die Relikte des
Mithras-Kultes , eine intensivere Einbeziehung der Gnosis und (pseudo-)hermetischer Schriften
- noch stärker in die Bereiche Alchemie und Magie abspaltete . In diesen beiden Disziplinen
kam der Symbolik und Symbolverwendung eine immense Bedeutung zu, die jedoch, aufgrund der als
abtrünnig und ketzerischen betrachteten ideologischen Geisteshaltung, nur im Verborgenen
ausgeübt werden konnte - und daher langfristig gesehen wohl den Begriff des „Okkultismus“
begründete.

„Am Symbol scheiden sich die Geister“

Waren die Philosophen der Antike und Spätantike Politiker, Redner, Mathematiker usw., deren
Gedanken und Überlegungen sich mit der Kosmologie und der Theosophie beschäftigten, so ergab
sich ab dem 5. Jahrhundert - seit AUGUSTINUS - eine Verschiebung hin zu den Klerikern, die
mittels der Philosophie und den mathematisch-logischen Betrachtungen dem Weltbild einen
Stempel aufzudrücken suchten - die radikalen Aristoteliker hatten ihre Ansichten durchgesetzt.
Dass dies zu einem logisch-theologischen Dilemma, und in der Folge auch zu einem Kirchen-Schisma
führte, blieb wohl kaum aus. Dem Zwiespalt der Anerkennung einer sowohl naturalistischen Ansicht,
wie auch einer theologischen Deutung von Symbolen und ihrer Be-/Deutung setzte sich über
Jahrhunderte fort und selbst Thomas VON AQUIN unterlag ihr noch im 13. Jahrhundert. Die
„abendländische Kultur“ setzte ihren eigenen Weg fort, während die Länder und Kulturen,
die nicht durch die christlich-kulturellen Doktrin geprägt wurden, hinsichtlich der
Symbolverwendung weitestgehend frei blieben und der traditionelle Symbolcharakter dort
somit vielfach erhalten blieb.

Der Symbolik kam hauptsächlich im Zuge klerikaler und feudalherrschaftlicher Bauten und
Kunstwerke eine stärkere Bedeutung zu. Gut dreihundert Jahre verquickte sich Theologie und
Philosophie in stärkerem Maße. Die Deutung des „göttlichen Planes“, der durch das Symbol
erkennbar sein sollte, oblag den Kirchenvertretern. Die stark hervortretende Symbolik, wie
wir sie beispielsweise bei Hildegard VON BINGEN, ALBERTUS MAGNUS, Nikolaus VON KUES, oder
MEISTER ECKHART finden, reduziert die Symbolik in der westlichen Welt augenscheinlich auf
ein stilistisches Mittel der Theomantie. Das Symbol war das „von Gott geschaffene und gesandte
Zeichen“. Diejenigen, die „wahrsagten und deuteten“ und dies nicht im Einklang mit den Lehren
der christlichen Kirche taten oder abgewandelte Symbole benutzten, gerieten schnell in den
Ruf „Ketzer“ zu sein und waren damit der hl. Inquisition ausgeliefert .

Nach dem großen Glaubens-Schisma, der Spaltung der Kirche, der nachfolgenden reformatorischen
Strömungen und der aufklärerisch-naturwissenschaftlichen Bewegungen erfolgte eine Wegführung
von den theologisch-theosophischen Inhalten, hin zu einem mehr „rationalen“ auf der „Vernunft“
oder natur-/wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Diskurs.

„Die Renaissance – Wiedergeburt des Symbols“

Die Widersprüchlichkeit des Spät-Mittelalters und der einsetzenden Renaissance ist frappierend.
Werden auf der einen Seite die konfessionellen Inhalte stark betont und auf deren Einhaltung
geachtet, so bricht gleichzeitig eine Hochphase nicht-klerikaler Symbolverwendung ab dem
14. Jahrhundert an. An verschiedenen Universitäten wurden Lehrstühle für Astrologie eingerichtet
(so Paris, Padua, Krakau, Bologna, Florenz, Oxford u. a.). Das italienische Fürstenpaar
Visconti-Sforza gab erstmalig die Erstellung eines Tarot-Karten-Decks in Auftrag, bebilderte
Spielkarten kamen in Mode. Schriften, wie beispielsweise die Chymische Hochzeit des Christian
ROSENKREUTZ verbreiteten gleichermaßen geheime „Weisheiten und Wahrheiten“, wie viele so
genannte „Losbücher“, hermetische Schriften, Zauberbücher und DANTES Göttliche Komödie verband
in einer einzigartigen symbolisch-metaphorischen Sprache „Paradies und Inferno“ des
14. Jahrhunderts .

Seit dem 15. Jahrhundert erfolgte auch eine Zunahme bildlicher Darstellung in religiösem Kontext.
Holzschnitte kamen in Mode, durch die Entwicklung der Buchdruckkunst fand eine immer stärkere
Verbreitung von geschriebenen und auch bebilderten Werken statt. Die symbolische Schlichtheit
mancher Holzschnitte und die Einfachheit der mehr religiös intendierten Kunstwerke, wie
beispielsweise dem seinerzeit weit verbreiteten „Totentanz“, standen in krassem Gegensatz
zur überbordenden Symbolik der Renaissance-Maler, wie z. B. HIERONYMUS BOSCH, BOTTICELLI u. a.
Die Renaissance war damit auch eine „Wiedergeburt“ alter Symbolik, jedoch waren die ursprünglichen
Regeln und Gebräuche weitgehend in Vergessenheit geraten. Dies war auch die Zeit für alle
selbsternannten und vom Volk umschmeichelten Mystiker und Magier, die sich auf „uraltes und
geheim überliefertes Wissen ferner und untergegangener Kulturen“ beriefen.

Neben den kirchlichen Ordenskani gab es kaum eine (wissenschafts-)theoretische Auseinandersetzung
mit dem Symbol als „Ding an sich“. Das Symbol schien in der Zeit der nach-aristotelischen
Philosophie bis zur so genannten Zeit der Aufklärung mehr einen Stellenwert im künstlerischen
Sinne und zum Zweck der Darstellung der Theophanie gehabt zu haben. Es derart jedoch nur
als stilistisches Element zu betrachten, ohne die späterhin einsetzende wissenschaftliche
Diskussion zu berücksichtigen, hieße an dieser Stelle wohl eine eher reduktionistische Auffassung
der Symbolbedeutung zu vertreten. Erstaunlicherweise setzte die Auseinandersetzung mit dem
Symbol in der Philosophie erst zu dem Zeitpunkt wieder stärker ein, als die Abspaltung der
protestantischen Glaubensrichtung von der Mutter-Kirche erfolgt war und die inquisitorische
Verfolgung Andersgläubiger durch die konfessionellen Kirchen weitgehend ihr Ende gefunden hatte.

„Der Beginn einer kritischen Auseinandersetzung mit Kant…“

KANT setzte sich im 18. Jahrhundert mit dem Symbol als der Darstellung des „Sittlichguten“
auseinander und entdeckt im Symbolbegriff die Fähigkeit zur Illustration des Unanschaulichen.
Er trennt in der Interpretation „Zweck“ und „Zweckmäßigkeit“. So heißt es erläuternd bei TOMBERG
„Der Gegenstand eines Begriffs heißt Zweck, wenn dieser Begriff als Realgrund der Möglichkeit
des Gegenstandes angeschaut wird. Zweckmäßigkeit heißt dagegen >>die Kausalität eines Begriffs
in Ansehung seines Objekts.<<“

Der Symbolbegriff wurde durch KANT transzendental formuliert, wobei das Symbol damit jedoch
mehr zum Ausgangspunkt des Philosophierens wird und weder durch die „Urteilskraft“ noch die
„Vernunft“ eine rein „sinnliche“ noch „übersinnliche“ Erfassung möglich ist. Das Symbol in
seiner ästhetischen Form der Begrifflichkeit und Interpretation bleibt demnach letztlich
„Geschmackssache“.

„…Schelling…“

Das Symbol als „Darstellung des Absoluten“ findet sich dann späterhin bei SCHELLING wieder.
Dort heißt es in § 39 der „Philosophie der Kunst“: „Darstellung des Absoluten mit absoluter
Indifferenz des Allgemeinen und Besonderen im Besonderen ist nur symbolisch möglich. “

SCHELLING greift damit über den Symbolbegriff KANTS hinaus. In einem gewissen Sinne könnte
man es hier so formulieren: Sieht KANT in dem Symbol die Offenbahrung des ‚Sittlichguten’,
so geht SCHELLING noch einen Schritt weiter und stellt das Symbol als einzige Darstellungsmöglichkeit
des ‚Sittlichguten’ hin. Sein Symbolbegriff weist noch weiter über das hinaus, was KANT im
Symbol zu erfassen sucht: Es kann nicht anders dargestellt werden als durch Symbol.

„…Cassirer…“

CASSIRER widmet sich ausführlich der Symbolik und publiziert hierzu u. a. ein dreibändiges
Werk Philosophie der symbolischen Formen. Dort heißt es bspw. „Die sprachliche Symbolik
erschließt eine neue Phase des seelisch-geistigen Lebens .“ CASSIRER sieht den Menschen nicht
nur als „animal rationale“, sondern vielmehr als „animal symbolicum“ – und damit bezieht er
sich auf den Menschen als (selbst)reflexives Wesen, dem sich über das symbolische Denken der
Weg in die Zivilisation geöffnet hat.

Damit findet sich unbestreitbar der Einzug des Symbolischen in den Betrachtungsrahmen der
Kulturphilosophie wieder. Ein Gedankengang, der erstmals hier deutlich angestoßen, von
weiteren Philosophen aufgegriffen, nunmehr auch in verschiedenen anderen Bereichen, wie
u. a. der Pädagogik, der Entwicklungspsychologie, der Neuropsychologie und damit auch der
Hirnforschung Einzug hielt.

„…und Mead“

MEAD vertritt die Position, dass das Symbol als Stellvertreter gesellschaftlicher Handlungen
zu verstehen und sinnerfüllt ist. Zu einem Sinn findet der Mensch erst über das Bewusstsein;
das Bewusstsein muss demnach einer Handlung, wie beispielsweise einer Geste vorausgehen.
Erfolgt dann die Handlung, so ist sie mit Bewusstsein versehen und kann auf diese Weise einen
symbolischen Charakter annehmen.

„Ein Blickwinkel von Seiten der Paläoanthropologen“

Als konträren Gedankenpunkt zu CASSIRER und MEAD lässt sich hier BILZ einmal zitieren: „Der
Barfüßermönch Johannes Pauli aus Thann im Sundgau berichtet in einer etwa um das Jahr 1520
erschienenen Schrift, wie eine Disputation zwischen einem griechischen Philosophen und einem
Narren stattfand. Man hatte diesen als einen Gelehrten herausgeputzt, und zwar in der Hoffnung,
dass der Philosoph nicht merke, wen er vor sich habe. Keiner von beiden sollte bei dem Disput
den Mund auftun. Der erste Gestus, den der Grieche zeigte, bestand darin, dass er den Zeigefinger
hob. Der Philosoph wollte damit sagen, dass es nur einen Gott gibt. Der Narr, der den erhobenen
Zeigefinger auf sein persönliches Wohl und Wehe bezog, meinte, dass ihm der Philosoph ein
Auge ausstechen wollte. Daraufhin erhob er zwei Finger, um anzudeuten, dass er seinem Gegner
beide Augen ausstechen würde, wenn dieser ihn angreife. Wer den Zeige- und den Mittelfinger
demonstrativ emporstreckt, pflegt dabei den Daumen abzuspreizen, so dass der verängstigte
Narr in Wahrheit drei Finger zeigte. Der Grieche nickte befriedigt, denn er war jetzt sicher,
dass er von dem vermeintlichen Philosophen richtig verstanden worden war: Hatte er selbst
auf den Monotheismus angespielt, so wies nun der andere ‚Gelehrte’ offensichtlich auf die
Trinität hin. Um auszudrücken, dass Gott alle Dinge offenbar sind, zeigte der Grieche jetzt
seinem Gegner die offene Handfläche vor. Dieser blieb in der Stimmung der Angst überzeugt,
dass es der Grieche auf Gewalttätigkeiten abgesehen habe. Der Narr deutete die ausgestreckte
Hand als eine Ohrfeigen-Drohung. Daraufhin ballte er die Faust, um dazutun, dass er dem
Philosophen eins auf den Kopf geben werde, wenn ihm dieser ins Gesicht schlagen sollte. Es
standen sich also, biologisch gesprochen, Drohung und Gegendrohung gegenüber. Aber wieder
war der griechische Philosoph hocherfreut. Er fühlte sich verstanden, denn die Faust,
interpretierte er, wolle zum Ausdruck bringen, dass Gott in seiner Gewalt alle Dinge
‚beschlossen’ hält, während uns seine Urteile verborgen sind. … Damit war die Diskussion zu
Ende .“

Dieses recht umfangreiche Beispiel soll dazu dienen, zu veranschaulichen, dass die symbolischen
Handlungen des Menschen durchaus zum mehr angeborenen, aber auch erlernten Repertoire gehören.
Sie sind gleichermaßen emotional besetzt, wie emotionsleer. Ihnen liegt eine Sinnhaftigkeit
zu Grunde, wobei dieser nicht unmittelbar erkennbar sein muss, sondern sogar gänzlich falsch
interpretiert werden kann. Die symbolische Handlung kann einen Interaktionismus begründen,
aber letztlich immer noch selbstbezüglich, aufgrund der eigenen Erfahrungswerte und Interpretationen
sein.

„Ricoeurs Reflexion“

RICOEUR spricht in einem solchen Zusammenhang von „Disproportion“ und der „Pathetik des Elends“,
welche nur durch beständige Reflexion und dann wiederum durch weiterführende Reflexion über
das bereits Reflektierte erschlossen werden kann. Dies soll zu guter Letzt zu „totalem
Verständnis“ führen In diesem Sinne ist RICOERS Formulierung in der Phänomenologie der
Schuld treffend: „Das Symbol gibt zu denken!“

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